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Tauziehen, Deutsche Meisterschaften: Die Bundesligisten aus Böllen siegen vor Goldscheuer und den Allgäuern aus Zell

Es war ein tolles Sportereignis, das sich die Pfahlbronner Tauzieher kurzfristig an Land gezogen hatten. Die Deutschen Meisterschaften der Schwergewichte unter den starken Männern am Seil entwickelte sich zu spannenden Duellen. Allerdings führte erneut kein Weg an den Dauersiegern aus Südbaden vorbei.

Von Alfred Pradel

Tauziehen als Kraftsportart und als rituelle Zeremonie, das gab es schon in der Antike. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird das Tauziehen in Europa als organisierter Sport betrieben. Auch in Deutschland, wo 1891 der Deutsche Athletik-Sportverband gegründet wurde. Heute sind die Tauzieher im DRTV, dem Deutschen Rasenkraftsport- und Tauzieh-Verband, organisiert.

Am gestrigen Sonntag standen die Deutschen Meisterschaften der ganz starken Jungs auf dem Programm. Die 720-Kilogramm-Klasse (Schwergewicht) ging ans Seil. Fast wäre es jedoch nichts gewesen mit den nationalen Meisterschaften. Denn ursprünglich sollten diese im thüringischen Schweina beim dortigen Tauziehclub ausgerichtet werden. Aufgrund von Platzproblemen musste der Verein jedoch absagen. Die Tauziehfreunde Pfahlbronn nutzten diese Gelegenheit. Der Bolzplatz beim Bürgerzentrum wurde zur Tauzieharena umgebaut und der Alfdorfer Teilort hatte seine Deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach.

Mit dabei waren neben namhaften Bundesligisten, die jeweils den Dauersieger unter sich ausmachen, auch die Lokalmatadoren aus Pfahlbronn mit einer Aktiven- und einer Jugendmannschaft. Und auch die Tauzieher aus Großdeinbach, die Doibacher Löwen und aus Aalen die Männer des Tauziehclubs Eiche Affalterried. Die Gewichte der Tauzieher und die Markierung der an den Start gehenden Sportler obliegt einem Verantwortlichen, der gegenüber dem Schiedsrichter in der Pflicht steht.

Bei der Jugend wird ein Gewicht bis 450 Kilo angestrebt. Gehen, was in dieser Klasse erlaubt ist, Mädchen mit an den Start, dann erhält die Mannschaft pro Mädchen einen Gewichtsbonus von zehn Kilogramm gutgeschrieben. Gestern zeigten sich die zarten Amazonen durchaus von ihrer starken Seite, auch in der Jugendmannschaft der Tauziehfreunde aus Pfahlbronn.

Allerdings und das entging dem Auge des Beobachters nicht: die technischen und konditionellen Vorteile des Nachwuchses aus den „großen“ Tauziehvereinen waren nicht zu übersehen. Nichtsdestotrotz standen die Freude am Sport und der mannschaftliche Zusammenhalt innerhalb des Teams bei den Pfahlbronner Nachwuchstauziehern ganz oben.

Das Wetter forderte gestern neben der Kraftanstrengung ebenfalls seinen Tribut. Aus Sicherheitsgründen müssen die Tauzieher gut geschützt ans Seil gehen. Feste Bekleidung und für den sicheren Stand und Zug am Seil auch sehr massive Schuhe sind ein Muss. Pausenlos waren die Betreuer gestern mit Wasserflaschen und nassen Schwämmen bei den Sportlern, unter einem schattigen Baum war eine Dusche installiert.

Bereits in der Vorrunde bekam der Pfahlbronner Nachwuchs seine Grenzen aufgezeigt. Die starken Mannschaften holten sich Pull um Pull, mit null Punkten schlossen die Lokalmatadoren die Vorrunde auf dem letzten Platz ab. Allerdings konnten die Pfahlbronner Sportler um Jugendtrainer Markus Müller viel Input mitnehmen.

Es siegte der Tauziehnachwuchs aus Eschbachtal vor Böllen und Neuried. Am Tabellenende fanden sich neben den Pfahlbronnern auch die Tauziehjugendlichen aus Affalterried.

Bei den Aktiven lief aus Sicht der Sieger alles nach Plan. Die favorisierten Mannschaften aus Böllen und Goldscheuer zeigten ihre Stärken und warum sie in der Bundesliga, in der bis 640 Kilogramm gezogen wird, die Dauersieger sind. Lediglich die Tauzieher aus dem Allgäu, die Allgäu Power aus Zell, drangen etwas in die südbadische Phalanx ein. Im Halbfinale setzten sich die Böllener jedoch gegen die Zeller durch. Goldscheuer schickte Philippinenburg-thal ins kleine Finale. Im Kampf um Platz drei setzten sich dann die Allgäuer durch. Im Finale hatten die Tauzieher aus Böllen die besseren Karten in ihren Händen, mit 2:1-Pulls behaupteten sich die schweren Jungs aus Böllen im ewigen Duell gegen Goldscheuer wie im Finale um die Deutsche Meisterschaft der 640-Kilogramm-Klasse (Bundesliga).

In den Platzierungskämpfen fanden sich die Mannschaften aus Pfahlbronn, Großdeinbach und Affalterried wieder. Im Kampf um die Plätze elf und zwölf setzten sich die Doibacher Löwen gegen den TZC Korb durch, Pfahlbronn holte sich gegen Affalterried den neunten Platz. Für die Mannschaften aus der Region waren die Deutschen Meisterschaften im Schwergewicht eine Standortbestimmung im nationalen Vergleich. Die württembergischen Meister in der 720- und 680-Kilo-Klasse aus Pfahlbronn und der Dritte der Landesliga-Königsklasse aus Großdeinbach können mit erhobenen Hauptes aus der Saison in die Sommerpause gehen. Die Trainer können ihre Pläne für die nächste Saison skizzieren.

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Quelle: Rems-Zeitung